Chronik der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm
Die Geschichte der evangelischen Christen in Heusenstamm geht lange zurück, erste Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1565. Im Folgenden sollen nun in einem Abriss einige historische Hintergründe zur Vorgeschichte, der Entstehung und Entwicklung der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm und der Gustav-Adolf-Kirche vorgestellt werden.
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1565 Nachdem Graf Eberhard von Heusenstamm zum protestantischen Glauben übergetreten war, wurde 1565 der erste
lutheranische Pfarrer von ihm in Heusenstamm eingesetzt.
1611 Doch im Verlauf der Gegenreformation und infolge der Aktivitäten von aus Frankfurt kommenden Franziskanern u.
Dominkanern wurde in dem zunächst evangelischen Heusenstammim Jahr 1611 die katholische Religion wieder ein-
geführt.
1670 Spätestens bis zum Jahr 1670 war die Bevölkerung bis auf die ansässigen Juden wieder vollständig dem katholisch-
en Glauben übergetreten
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten neben Katholiken und Juden auch wieder Protestanten in Heusenstamm
1861 Mit der Entwicklung des protestantischen Bevölkerungsanteils entstand nun wieder das Bedürfnis und die Veranlas-
sung für gottesdienstliches und gemeindliches Leben, das mit dem im Herbst 1861 ersten evangelischen Gottes-
dienst in Heusenstamm seine Bestätigung fand.
1869 Mit Einweihung der neu erbauten Kapelle in Bieber und durch die sehr begrenzten räumlichen Möglichkeiten in Heu-
senstamm fanden nun alle weiteren Gottesdienste an jedem zweiten Sonntag und an allen Festtagen in der Kapelle
von Bieber statt.
1911 Durch die Bemühungen des Frauenkreises und des neu gegründeten Männerkreises konnte das Ziel realisiert wer-
den, in Heusenstamm wieder Gottesdienste feiern zu können.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde am 06. Oktober 1911 der Kaufvertrag für einen Bauplatz unterschrieben.
Durch die maßgebliche Unterstützung der Gustav-Adolf-Stiftung, eines Restbestands des früheren Unterstützungs-
vereins Heusenstammer Protestanten, dem Verkauf von Bausteinen zu 25 und 50 Pfennige sowie unzähliger weiter-
er Spenden konnten die Kosten für das Grundstück bezahlt werden.
1913 Mit der am 02. März 1913 erfolgten Umwandlungen des Männervereis in den Kirchenbauverein erhielten die Bemüh-
ungen, den Kirchenbau zu realsieren einen neuen Impuls.
1914-
1918 Die nun folgenden Kriegsjahre führten jegliche Weiterentwicklung zum Erliegen. Auch nach Beendigung des Krieges
führten die Folgeerscheinungen wie anhaltende Lebensmittelnot, wilde Streiks und Arbeitslosigkeit dazu dass erst
im Mai
1921 die Aufstellung der Baupläne und die Baukostenberechnung durch den Kirchenbauverein in Auftrag gegeben wur-
den. Bei dem Reformationsgottesdienst des gleichen Jahres wird die Urkunde verlesen, aus der die vom Gustav-
Adolf-Verein erteilte Erlaubnis zum Bau einer festlichen Kapelle hervorgeht. Neben unzähligen kleinen und größer-
en Geldspenden wurden auch 200 Freifuhren von Dietzenbacher Bauersleuten für den Transport von Steinen und
Holz zugesagt.

- Grundsteinlegung 1922
1922 Am 29. Januar wurden die Pläne des Architekten Pfuhl angenommen. Die Bauerlaubnis
wurde am 24. April erteilt. Durch die ersten Vorboten der Inflation gingen auch die Arbeits-
löhne sprunghaft in die Höhe. So war bei der Vergabe der Bauvorarbeiten die billigste Of-
ferte für den Rohbau der Kirche höher als der Gesamtkostenvoranschlag, der für Rohbau
und Inneneinrichtung vorgesehen war. Dennoch wurde an der Ausführung des Baues fest-
gehalten. "Der Kirchenbau in Heusenstamm ist Ehrensache der Evangelischen Landeskir-
che. Die Kirche wird gebaut, koste sie, was sie wolle." Der erste Spatenstich wurde am
15. Mai 1922 durchgeführt. Am 25. Juni erfolgte die feierliche Grundsteinlegung.
1925 Am 11.02.1925 wurde Heusenstamm selbstständige Filialgemeinde von Bieber. "Im Laufe des Jahres bekam die Kir-
che zu Heusenstamm nicht bloß Anschluss an das elektrische Licht sondern auch ihre Heizungsanlage im auszemen-
tierten Keller sowie eine gärtnerische Anlage vor dem Kirchengebäude. Am 1. November 1925 wurde die erste Ge-
meindevertretung und am 15. November der erste Kirchenvorstand gewählt.

- Die neu errichtete Ev. Kirche mit dem Kirchenvorstand
1926 Im Dezember 1926 wurde der erste Glockenstuhl aufgeschlagen, der im Juni 1926 durch einen
stärkeren Glockenstuhl ersetzt wurde. Im Juli standen drei gebrauchte Glocken zur Besichtig-
ung, bevor sie im Glockenstuhl aufgehängt und montiert wurden. Im August wurden Kirchen-
bänke geliefert und gestrichen. Ausserdem erfolgte der Verputz von außen sowie der Einbau
der Kriegsgedächtnistafel
1930 Für 1290,- Mark wurde das erste Harmonium im Oktober 1930 für die Kirche und den Kirchen-
chor angeschafft. Das Instrument erklang zum ersten Mal anlässlich des Erntedankfestes.
1942 Im Januar wurden zwie der drei Glocken abgehängt und der "Vaterlandsverteidigung" zuge-
führt.
1943 Bei einem Luftangriff auf Heusenstamm entstanden schwere Sachschäden an der Ev.
Kirche.
1954 Bei der 1954 erfolgten Renovierung wurde eine von der Offenbacher Kunstschule gestaltete Wandmalerei der Berg-
predigt an der Stirnwand der Kirche vernichtet. Darüber hinaus wurde die Decke abgedeckt und genauso wie das
Gestühl grau gestrichen.

- Die Kirche heute
1963 Anschaffung eines Taufstein´für die Kirche. Die Taufschale wurde im August 1912 von einem
Gutspächter des Patershäuser Hofes und dessen Gemahlin gestiftet.
1974 Im Jahre erfolgte eine umfangreiche Renovierung, wobei der Innenraum der Kirche durch die
Einbeziehung eines Chorraumes sowei der Verkleinerung der Empore effektiv sowie optisch
größer wurde. Nun konnten bis zu 250 Personen in der Kirche Platz finden. Die bei der Ren-
ovierung in 1954 abgedeckte Decke wurde wieder freigelegt und die Deckenbemalung aufge
frischt.
1985 Seit dem Herbst 1985 zeigt die Stirnwand unserer Kirche einen Wandteppich, dessen
Gestaltung durch die Entwürfe eines früheren Kirchenvorstands geprägt wurde. Die Duchführ-
ung, bestehend aus Wolle vom Erzeuger kaufen, waschen, kämmen, spinnen und einfärben
wurde durch großes Engagement der Ehefrau eines früheren Pfarrers sowie vieler Gemeinde-
glieder in mehr als 900-stündiger Arbeit abgeschlossen.
1991 Nach 70 Jahren wird das Dach der Kirche mit Altdeutschen Schiefertafeln neu gedeckt.
1999 Renovierung des Innenraums der Kirche.
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erstellt von David S. Faber auf Basis der Broschüre "Vorgeschichte, Entstehung und Leben der Gustav-Adolf-Kirche" von Dieter Sossenheimer


